Reisebericht: Biomeiler für ein Kloster im Himalaya

 

Das Abenteuer Himalayareise

 

Die Himalayareise war insgesammt ein Erfolg.

Die meistenen Projekte konnten realisiert werden, bis auf den Biomeiler. Darüber berichten wir unten in der Reisebeschreibung ausführlicher. Die Mitreisenden, eine interessante Crew aus aktiven Experten, einem Himalayakundigen Guide und unser zweiköpfiges Filmteam.

Kamerateam

Und unser zuverlässiger Begleiter

Lobsang
 

Tag 1

Peacehouse

 

Ankunft in Dehli.

"New Peace House" – ist der Name unserer bescheidenen Bleibe. Wir befinden uns in Tibet bzw. inmitten einer tibetischen Kolonialsiedlung im Zentrum Delhis, Indien. Die gewaltige Staubschicht, die sich durch jahrzehntelange Rodung und konstanter Emission gebildet hat, verdeckt den Blick zum Himmel. Aber irgendwo dort oben versteckt sie sich, Mutter Sonne... . Nach einem knapp siebenstündigen Flug schlendern wir gemütlich durch eine enge Gasse, die den Eingang zur besagten Siedlung bildet, einfach "Tibet Town" genannt. Wir – das sind zwei Ingenieure des gemeinnützigen Vereins "Native Power e.V." aus Norddeutschland, ein konventioneller Landwirt aus Langenhagen,
ein junger Permakulturdesigner auf Weltreise, ein Mitarbeiter eines Energieversorgers aus dem Rheinland und zwei Visionäre, hungrig nach Impressionen. Unsere Mission lautet in den nächsten zwei Tagen das abgelegene Kloster Geyje Norling im nordöstlichsten Punkt Indiens inmitten des Himalaya Gebirges zu erreichen und einen Dokumentarfilm über die Arbeit der deutschen Techniker und Ingenieure zu realisieren.
Native Power hat sich der ehrenvollen Aufgabe angenommen, in den kommenden drei Wochen für das buddhistische Kloster diverse natürliche Wärmeelemente zu errichten. Das Hauptanliegen ist es, einen Biomeiler zu bauen, der das Kloster für die Zukunft mit Hilfe von natürlichen Ressourcen mit Warmwasser und einer Heizung versorgen soll. Aufgrund der Höhenlage der meisten buddhistischen Klöster und den extremen Wetterbedingungen leiden viele Tibeter bereits in jungen Jahren an Arthrose, Rheuma und Nierenschäden. Eine Pudja, ein großes festliches Ereignis, steht zudem Ende November auf dem Plan, bei der viele Mönche und Gläubige aus der Region Tibets und Nepals zu Besuch kommen werden und die Wärmeelemente zu Gesicht bekommen. Auf diese Weise soll Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden – indem Wissen und Technologie vermittelt wird und diese sich in weiteren Klöstern und Regionen Tibets verbreitet.
Vor ca. dreißig Jahren gegründet ist Tibet Town ein Zufluchtsort für alle tibetischen Exilanten und Auswanderer in Indien und bietet diesen zwischen eng aneinandergebauten Wohngebäuden ein Gefühl von Zuhause. Sicher nicht im Hinblick auf das Wetter, aber zumindest was die Kommune anbelangt. Lama Jampa, ein junger tibetischer Mönch und Lobsang, unser Guide, gehen voran. Zwei junge, dürre Hindis tragen unser Gepäck auf rikschaartigen Gefährten, die sie wendig durch verwinkelte Häusergassen führen. "Kleine kraftvolle Ameisen", könnte man dabei denken. Wir sehen mehrere Verkäufer auf unserem Weg. Frisches Obst, verschiedene Stoffe und Kleidungsartikel werden am Wegrand zum Verkauf angeboten. Fernöstliche Dvds, Wollmützen und Souverniers jeglicher Art fliegen an unseren Augen vorbei. Die Menschen lachen. Hunde streunen durch die Gassen oder schlafen auf abgestellten Anhängern. Das Neonlicht eines Internetcafés und Tattoo Parlors leuchten in der Dunkelheit des Gassenlabyrinths auf. Alles wirkt alt und verwahrlost. Vom Himmel ist inzwischen ebenfalls nichts mehr zu sehen, zu hoch stehen die Gebäudeansammlungen, zu eng beieinander liegen sie. Das "New Peace House" erreichen wir nach einem knapp zehnminütigen Fußweg.

Das Domizil wird ebenfalls von Tibetern geführt. Eine korpulente Frau sitzt im Eingangsbereich und schaut amerikanische Action Filme im Fernsehen, ihre Tochter sieht von der Rezeption aus zu. Wir sind in unserer Bleibe für die erste Nacht angekommen und können es nicht erwarten unter die Dusche zu treten. Gestern 10 Grad Celsius, Hannover – heute 31 Grad Celsius, Delhi. Unsere Finger sind durch den harten und zu schnellen Temperaturwechsel angeschwollen. Einen kleinen Vorgeschmack auf die indische Lebensdichte konnten wir bereits auf dem Weg vom Flughafen hierher bekommen. Menschenmassen wohin man sieht, der Verkehr das reinste Chaos, gelinde ausgedrückt, Obdachlosigkeit, Verwahrlosung und Armut wohin man sieht. Zu viele Menschen auf zu wenig Natur oder das was von ihr übrig geblieben ist.
 

Tag 2 - 3

Endlich Strom. Die einzige Laterne, die das Gelände des Klosters Geyje Norling mit Licht versorgt
ist angesprungen. Auf vorsichtigen aber raschen Schritten steigen wir den Berghang zu unseren
Räumlichkeiten herab. Kamerabatterien, Laptopakkus wollen geladen-, Filmmaterial übertragen
werden. Die Stromversorgung sollte für die nächsten zwei Stunden gesichert sein, so die Aussage
der Mönche. Wir erkennen unsere technologische Abhängigkeit.

Es ist 17.30 Uhr und wir befinden uns inzwischen auf knapp zweitausend Metern Höhe über dem
Meeresspiegel. Im Augenblick arbeiten wir daran unseren neuen Kameradolly samt Schiene
zusammenzusetzen, der eine Kamerafahrt von knapp acht Metern erlaubt. Die Ingenieure von
Native Power haben uns mit einem Upgrade versorgt. Unser Anspruch ist hoch angesetzt – die
Umgebung ist ein einziges visuelles Erlebnis, das seinesgleichen sucht und dies soll für immer im
Bild festgehalten werden.

Seit Tibet Town sind inzwischen zwei Tage vergangen. Von den Eindrücken kommt es jedem
Beteiligten dieser Unternehmung jedoch wie eine gesamte Woche vor. Am Flughafen Guwahti in
der Region Assam werden wir vom Abt des Klosters Geyje Norling abgeholt. Die Luft ist
hierzulande klarer als in der Metropole Delhi, azurblauer Himmel und hochsommerliche
Temperaturen erwarten uns bei unserer Ankunft. Ein Winter, den wir Europäer uns nur wünschen
könnten. Bevor wir uns jedoch morgen früh auf den Weg zum Kloster begeben, macht uns Lama
Jampa mit der Umgebung Guwahtis und ihrer kulinarischen Vielfalt bekannt. Wir fahren über
Landstraßen und dürfen die breitflächigen Plantagenfelder des weltbekannten Assam-Tee
bestaunen. Das hiesige Zusammenleben von Mensch und Tier ist ein faszinierendes Phänomen. Es
herrscht wahre Harmonie, Tiere bewegen sich gemütlich auf den Straßen. Mit Hupen werden sie
freundlich darum gebeten, sich in Bewegung zu setzen, damit die Fahrt weiter erfolgen kann.
Abends findet ein angenehmer kultureller Austausch mit Einheimischen statt – Zigaretten werden
getauscht und bei langen Gesprächen Bier miteinander getrunken.Himalaya Reisebericht

Am nächsten Morgen teilt sich die Gruppe auf. Die beiden Projektleiter von Native Power und wir
Visionäre nehmen den schnelleren Weg per Hubschrauber zum Bergort Lumla, da wir vor Ort
Vorbereitungen für unseren Dokumentarfilm zu treffen haben und die Location für den Bau des
Biomeilers gesichtet werden muss. Die andere Hälfte der Gruppe soll währenddessen weitere
Baumaterialien in Guwahti besorgen, die sie dann gemeinsam mit Lama Jampa über den Landweg
mit dem Auto zum Kloster transportieren werden. Der Reiseunterschied ist gewaltig – mit dem
Hubschrauber dauert es ca. eine Stunde bis Lumla, per Landweg ganze zwei Tage.
Am Helipad in Lumla werden wir von einem Mönch des Klosters abgeholt. Es folgt eine
zweistündige Autofahrt, die es in sich hat. Über enge serpentine Schotterpisten, die einen
waghalsigen Blick in schwindelerregende Tiefen bieten, gelangen wir von Lumla zum Kloster. Wir
fahren durch einzelne Dörfer, durch Bergpässe und an wilden Flüssen entlang. Gerölllawinen haben
die Straßen teilweise derartig unpassierbar werden lassen, so dass es eines Allradantriebs und
mutigen Fahrers benötigt, um unser gemeinsames Ziel zu erreichen.
 

Tag 4

Fünf Uhr morgens. Die Elektrizität ist wieder angesprungen und hält dieses Mal nur eine Stunde.
Wir erwachen in spartanischen Gästezimmern, die von den Mönchen des Geyje Norling Klosters
für unseren Aufenthalt vorbereitet worden sind. Den gewohnten europäischen Standard vermisst
hier niemand. Was der Mensch braucht, ist gegeben. Ein Ausblick aus dem Fenster zeigt, dass wir
uns bereits über den Wolken befinden, die den Blick ins Tal verdecken. Morgens ist es ungemütlich
feucht und kalt. Vom späten Vormittag bis frühen Nachmittag scheint jedoch die Sonne bei
angenehmen Temperaturen und erwärmt das Tal. Wir erleben die Zusammenarbeit zwischen
Mönchen und ortsansässigen Arbeitern. Große Felsblöcke werden aus dem Erdboden gestemmt und
in kopfgroße, kleinere Würfel zersplittert, die – von einheimischen Frauen – mit alten Hämmern in
noch kleinere, wallnussgroße Steinstücke verarbeitet werden. Der Bau einer Schule und eines
Steinwalls ist geplant. Material holen sich die Menschen aus der heimischen Erde und der
Umgebung. Die Gemeinschaft ist über unsere Anwesenheit amüsiert und findet es lustig, wenn die
Kamera auf sie gerichtet ist.

Bilder Mimalayareise Native power

Im Klostergelände leben neben den Mönchen
ein Dutzend Kinder, die von ihren Eltern beim
Kloster abgegeben worden sind. Teilweise tun sie dies, um ihren Kindern eine schulische
Ausbildung zu ermöglichen oder weil es ihnen schlichtweg an Mitteln fehlt um sie zu ernähren. Wir
freunden uns mit den Kindern an und spielen Spiele, während wir weiterhin auf den Rest unseres
Teams warten. Ihre Reise auf dem Landweg ist doch beschwerlicher als zunächst erwartet und
verlängert sich um einen weiteren Tag. Währenddessen sichtet das Team Native Power das Gelände
nach möglichen Rohstoffen und einem geeigneten Standort für den Bau des Biomeilers. Zudem
wird über Verbesserungsmaßnahmen nachgedacht und diskutiert, um den Bewohnern in der Region
weitere Möglichkeiten bereitszustellen, um Ausbildung und Lebensqualität zu erhöhen.
Mittlerweile haben wir zudem einen Einblick in die Freizeitgestaltung der Klosterbewohner
erhalten. Die letzte Stunde vor Sonnenuntergang wird für das allabendliche Volleyballspiel genutzt,
was allen Beteiligten sehr viel Freude bereitet. Wir werden spontan dazu eingeladen, am Spiel
teilzunehmen und müssen schnell feststellen, dass die dünne Bergluft unserer Ausdauer Grenzen
setzt. Um diese Zeit setzt ein kühler Wind ein, der die Temperatur drastisch sinken lässt, so dass
unsere dicken Winterjacken zum Einsatz kommen. Wir haben allerdings Glück - die wirklich kalten
Monate stehen noch bevor. In der kältesten Saison liegt derart viel Schnee, so dass eine Zufahrt zum
Kloster unmöglich wird und die Klosterbewohner für einige Monate von der Außenwelt isoliert
leben müssen. Dieses Thema beschäftigt uns bis zum Abend, den wir beisammen am Lagerfeuer
ausklingen lassen.

Bilder im Himalaya Native Power

Tag 5

Auf dem Weg nach Tawang. Die beiden Ingenieure von Native Power haben sich dazu entschlossen, unseren Teamkollegen entgegenzukommen und sie in der Bergstadt abzufangen. Da der Kontakt zu ihnen seit dem Vortag unterbrochen ist und niemand weiß, welche Baumaterialien besorgt werden konnten oder ob diese vollständig sind, wollen die Projektleiter die halbtägige Reise auf dem Landweg auf sich nehmen, um jeglichen Risiken vorzubeugen. Sobald das gesamte Team beim Kloster
angekommen ist, sind wir für mindestens zehn Tage von jeglicher größerer Zivilisation
abgeschnitten und haben keinerlei Möglichkeit, weitere Baumaterialien zu organisieren. Zudem
muss eine bestimmte App besorgt werden, mit der unsere Kameradrohne gesteuert werden kann.
Mit etwas Glück erhalten wir in Tawang Zugang zum Wi-Fi Netz.

Bilder Reise Himalaya Native Power Tawang

Um viertel nach Sieben erscheint unser bekannter Fahrer mit seinem Geländewagen. Unser
provisorisch eingerichteter Schnittplatz und der größte Teil unseres Equipments bleiben im Kloster.
Die Mönche und Arbeiter verabschieden uns, als wir uns erneut auf den Weg über Schotterpisten in
Richtung Tawang begeben. Unser Weg führt an zahlreichen Zwergensiedlungen vorbei. Diese
beherbergen in den meisten Fällen zwei bis drei Hütten, gelegentlich mehr. Die Bewohner sammeln
große Mengen Holz für den kommenden Winter, der in dieser Gegend ziemlich hart sein muss. Wir
fahren an einem ehemaligen Dorf vorbei, sagt Lobsang, der gestern Nacht noch mit dem Motorrad
angekommen ist und uns ab heute wieder begleitet. Bis auf die Spur einer gigantischen
Schlammlawine, die sich bis auf einige hundert Meter in die Tiefe erstreckt, ist von dem Dorf
jedoch nichts übrig geblieben. Der grauenvolle Moment eines solchen Unglücks spielt sich in
unseren Gedanken ab – ein ganzes Dorf in Sekunden dem Erdboden gleichgemacht. Für Trübsal
blasen bleibt aber keine Zeit. Wir müssen weiter. Erneut sehen wir Frauen, die am Wegesrand
Schottersteine aus Felsblöcken produzieren. Laut Aussage von Lobsang ist dies eine gute
Möglichkeit für sie, um sich hier oben ein kleines Einkommen zu sichern, da sie ihre Babies oder
Kleinkinder zur Arbeit mitnehmen können. Die Kleinen werden dabei kurzerhand im Tragetuch
eingewickelt und begleiten ihre Mütter bei ihrer Tätigkeit.

Gegen Mittag gelangen wir erneut nach Lumla, wo wir vor wenigen Tagen mit dem Hubschrauber
gelandet sind und fahren nach einer Tasse Tee weiter. Es stehen noch weitere zwei Stunden Fahrt an
bis wir an unserem Ziel ankommen. Dabei wird es zunehmend kälter, da wir in höheres Gebirge
fahren müssen, welches zum größten Teil militärisch besetzt ist. Der normale indische Bürger hat ab
hier keinen Zutritt mehr. Genau wie in unserem Fall bedarf es eines Einreisevisums, um die Region
betreten zu dürfen.

Am Nachmittag erreichen wir schließlich Tawang. Die kleine, aber dennoch größte Stadt der
gesamten Gebirgsregion pulsiert voller Leben. Es herrscht ein reger Alltag, überall sieht man
Bewegung. Das Militär ist präsent und zahlreich vertreten. Wir sehen Verkaufsbuden neben
Verkaufsbuden und plötzlich ein Schild – Wi-Fi Here! Unsere Freude über ein bisschen Technik ist
nur schwer zu beschreiben, allerdings bringt der vollständige Kontaktabbruch zur Außenwelt nicht
ausschließlich Vorzüge mit sich. Wir bekommen unsere App, können unseren regulären
Reisebericht für die Außenwelt veröffentlichen und nehmen Verbindung mit unseren Familien und
Freunden auf, bevor es auf die Suche nach Baumarktalternativen geht. Eine kleine Materialliste
muss auf Verfügbarkeit überprüft werden. Inzwischen erreicht uns ebenfalls eine Sms von Lama
Jampa – gegen Abend sollten wir mit dem Rest unseres Teams wiedervereint sein. Wir freuen uns
darüber und verbringen den Rest des Tages damit, die Equipmentliste bei den örtlichen Werkstätten
und Tool Stores abzuklappern.

Dies wird vorerst unser letzter Blog über dieses Projekt sein, da wir in den kommenden Tagen
wieder im Kloster sein werden und für die nächste Zeit ohne Internetverbindung auskommen
müssen. Nichtsdestotrotz bemühen wir uns darum für alle, die Interesse daran haben, unseren
Reisebericht schnellstmöglich nachzuholen bzw. nachzutragen.
 

Tag 6

Unruhe vor dem Sturm... . Gestern Abend treffen wir auf unsere weiteren Teammitglieder und
müssen nach unserer Übernachtung länger in Tawang verweilen als geplant. Die Inventarliste ist
unvollständig. Am nächsten morgen wird noch einmal detailliert aufgeführt, welche Materialien
benötigt werden, um den Bau der Wärmeelemente zu sichern. Neben dem Biomeiler sollen zudem
eine Solarthermieanlage, ein Biogasfermenter, eine Kochkiste und ein Holzvergaserofen produziert
werden.
Im Team Native Power gibt es diesbezüglich leichte Meinungsverschiedenheiten. Einer der beiden
Ingenieure ist über den Mangel an vorproduziertem Substrat besorgt und sieht das Projekt in Gefahr
sollte binnen einer Woche keine Möglichkeit gefunden werden, um eine bestimmte
Kubikmeteranzahl an Holz- und Grünschnitt zu produzieren. In Europa würde man in diesem Fall
kurzerhand einen Schredder organisieren, der die Arbeit im Handumdrehen fertigstellt. Aber nicht
in Indien und schon gar nicht im Himalaya Gebirge mit seinen unpassierbaren Schotterpisten, wo
größere Lastwagen keinerlei Zufahrtsmöglichkeit haben. Nichtsdestotrotz halten die Projektleiter
voller Optimismus an ihrem Plan fest – hier gibt es vielleicht keinen Schredder, aber dafür umso
mehr fleißige Hände und gemeinschaftliches Kollektivdenken. Wir halten uns den halben Tag in
Tawang auf, um die Liste durchzuarbeiten und die Materialien oder praktische Alternativen zu
besorgen. Am Mittag sieht unser Guide Lobsang eine Möglichkeit zur Entspannung. Er trägt
unserem Fahrer auf, einen Abstecher zum Tawang-Kloster zu machen. Das zweitälteste tibetischbuddhistischeKloster Indiens wurde im 17. Jahrhundert auf dem Berghügel Tawangs errichtet undist das Domizil der einheimischen Mönche und Ziel vieler Touristen.

Da der Wagen mit Equipment vollbeladen ist und ein Zweitwagen nicht vor dem Abend zur Verfügung steht, muss einer unserer Teammitglieder auf dem Dach des Fahrzeugs mitfahren. Wir erreichen das Kloster und sind von der Schönheit und Atmosphäre der spirituellen Stätte berührt. Eine Gruppe junger Mönche passiert unseren Weg, neugierige Blicke treffen uns. Wir besuchen das Studierzimmer unseres Lama Jampas, in denen er in jungen Jahren die Schriften Buddhas studiert hat und erfahren mehr über dieGeschichte des Klosters.
Native Power goes Himalaya

Gegen Nachmittag sind wir in das nahegelegene Dorf Kitpi eingeladen, wo eine Festlichkeit zu
Ehren unserer Unternehmung stattfindet. Vor seinem jetzigen Leben und seiner derzeitigen
Reinkarnation war das Dorf Heimat und Geburtsort einer früheren Existenz Lama Jampas.
Gemeinsam mit ihm besuchen wir heute die Familie seines früheren Ichs vor diesem Leben. Wir
werden freundlich im Kreis der Dorfbewohner aufgenommen und mit hochprozentigem
Reisschnaps mit heißer Yakbutter begrüßt. Die Meinung über das Getränk bleibt gespalten. Die
Dorfbewohner sind sehr offen und gastfreundlich und versorgen uns neben alkoholischen Getränken
mit einem schmackhaften Büffet. Die gesamte indische Küche ist für den europäischen Gaumen
sehr viel würziger und schärfer, aber nicht minder geschmackvoll und versetzt uns jedes Mal aufs
Neue in Begeisterung. Desweiteren stammen die Lebensmittel hierzulande in den meisten Fällen
aus hauseigenem Anbau.

Native power auf Party im Himalaya

Im unteren Tal des Dorfes, welches man durch das Durchqueren eines kurzen Waldstücks erreicht,
finden wir uns inmitten abgeernteter Reisfelder wieder und blicken auf ein weiteres Dorf im Tal.
Aus dem Dickicht heraus ertönt Rascheln. Ein kleiner Junge kommt aus den Büschen hervor und
läuft an uns vorbei. Er wundert sich über unsere Filmkamera, lässt sich allerdins nicht auf seinem
Nachhauseweg aufhalten. Während er sich im Licht der untergehenden Sonne zum Dorf begibt
bleibt die Zeit plötzlich stehen. Das Lachen der Dorffrauen ist durch das Dickicht zu hören, aus dem
Dorf im Tal ertönt der Gesang von einheimischen Kindern. Ruhe. Frieden. Wenn es etwas derartiges
wie transzendente Augenblicke im Leben eines Menschen gibt, dann wurde uns heute die Gnade
zuteil, einen dieser Augenblicke zu erleben.

"Sieben Tage hat der Herr gebraucht, um unsere Welt zu erschaffen."
- Die Bibel -
 

Tag 7

Freude, Euphorie, Sorge, Zweifel... . Unser siebter Tag im Himalaya fühlt sich an wie der Erste und
als ob uns noch ein langer Weg bevorsteht. Nach einer sechsstündigen Nachtfahrt vom Dorf Kitpi
bis ins Kloster Geyje Norling fahren wir in völliger Dunkelheit über Tawang und Lumla zurück in
die abgelegene Ortschaft der Mönche, um am folgenden Morgen das gesamte bestehende
Baumaterial für die zu erzeugenden Wärmeelemente und das benötigte Equipment zu prüfen.

LamaJampa wird am nächsten Tag nachkommen und gemeinsam mit Native Power das Projekt antreiben.

Bis auf einige Schläuche scheint alles gut beim Kloster angekommen zu sein. Zwei Fahrten hat der
Transporteur bereits hinter sich gebracht, eine dritte Lieferung steht noch bevor. Wann sie eintreffen
wird ist uns noch nicht mitgeteilt worden. Für den Bau des Biomeilers ist dies jedoch unabdingbar –
sofern es noch einen geben wird. Heute haben die Dorffrauen vor unseren eigenen Augen kostbaren
Grünschnitt verbrannt, um die Ortschaft für die bevorstehende Pudja zu säubern. Für eine
erfolgreiche Umsetzung des Projekts ein großes Desaster – alle Beteiligten fühlen sich wie vor den
Kopf gestoßen. Wurde das Projekt Biomeiler nicht vernünftig an die Dorfbewohner und die hier
lebenden Einheimischen kommuniziert, wobei das Projekt seit Monaten in Planung steht? Beruht
unsere Sorge und unser Zweifel auf die deutsche Mentalität, das alles sofort zur Hand sein muss,
wenn man es braucht? Oder ist das notwendige Substrat an einem anderen Ort aufbewahrt worden?
Wir wissen es im Augenblick nicht und hängen in der Luft. Die Frustration über die bestehende
Situation erzeugt hitzige Gemüter in unserem Team. Es wird darüber diskutiert was gebaut werden
soll, was Sinn macht. Bei einigen schwindet die Hoffnung, die Zweifel dringen durch und
überschatten den Segen unserer Gegenwart, während die Dorfbewohner und Klosterbewohner
weiter an den Vorbereitungen für die bevorstehende, viertägige Festlichkeit arbeiten. Es werden bis
zu viertausend Besucher erwartet, unter anderem auch ein sehr hochrangiger Lama Rinpoche, ein
sehr hoher Gestlicher des tibetischen Buddhismus. Wir fragen uns, wie diese Menschenansammlung
genügend Platz auf dem Gelände finden soll. Im Normalfall leben hier schließlich maximal zwanzig
Menschen.

In Delhi, am ersten Tag unserer Ankunft, wurde der junge Permakulturdesigner aus unserem Team
gefragt, wie alt er denn sei. Seine Antwort lautete "Neuntausend Tage". Zu unserem eigenem
Amüsement hatte er seitdem den Ruf eines durchgeknallten "Daniel Düsentriebs", der in seiner
eigenen Welt lebt – einer Welt voll abertausender Ideen, um unseren Planten zu schützen, zu
erhalten und Hunger und Leid zu bekämpfen. Heute entpuppt sich der ambitionierte
Weltverbesserer als Musterbeispiel von Mensch und lässt alle vorhergehenden Meinungen über ihn
verblassen. Während wir diesen Eintrag schreiben, erzeugt alleine der Gedanke über den
Optimismus und Tatendrang dieses jungen Menschen Hoffnung in uns. Der junge Mann, der als
Heimatort "Europa" angibt, vermittelt und schlichtet zwischen den diskutierenden Teammitgliedern
und packt überall mit an. Tagsüber scoutet er die umliegende Waldumgebung, um eine Statistik über
den bestehenden Forstbestand zu erstellen und hilft den Bauern im Dorf darüberhinaus bei der
Ernte. Auf traditionelle Art werden Auberginen geerntet, die in ca. fünzehn Kilogramm schweren
Säcken, an der Stirn und über den Rücken befestigt, zum Haus des zirka achtzigjährigen Bauern
gebracht werden.
Holzgasöfen im Himalaya

Die beiden Ingenieure Ralf und Heiner von Native Power, sind währenddessen schwer damit
beschäftigt, ihre innovativen Ideen voranzutreiben. Während sie auf die Ankunft des Lamas warten
produzieren sie weitere Elemente für die Verbesserung der lokalen Lebenssituation. Ein Miniatur-
Holzvergaserofen schlägt bei den Klosterbewohnern ein wie eine Bombe - ein Ofen, der keinen
Rauch erzeugt und dabei nur einen Fünftel des bisherigen Holzbedarfs für den Einsatz benötigt,
sowohl als Kochstelle als auch Heizelement nutzbar und mit minimalem Produktionsaufwand
verbunden. Eine kleine Menschenmenge sammelt sich als der Ofen demonstriert wird. Einer der
Bewohner des Klosters ist derart euphorisch, dass wir einen sehr bewegenden Moment erleben, als
er den Miniatur-Holzvergaserofen jubelnd feiert. Zudem werden in den Waschräumen des Klosters
Mischbatterien eingebaut, um Kalt- und Heißwasser in Zukunft vernünftig miteinander mischenund
über eine Duschbrause nutzen zu können.

Ein kontrastreicher Tag neigt sich dem Ende, als die Diskussionen im Licht des Lagerfeuers weitergeführt werden. Die Anwesenheit des Lamas ist dringend erwünscht. Bevor dieser Text zu Ende geschrieben ist, ertönt lautes Autohupen. Die letzte Lieferung des benötigten Baumaterials ist eingetroffen. Sollte das Glück uns hold sein, wird der Lama bis morgen früh ebenfalls im Kloster eingetroffen- und wir somit in der Lage sein, das ambitionierte Entwicklungshilfsprojekt mit voller Kraft voranzutreiben.
 

Tag 8

Die Pudja rückt näher. Es sind noch drei Tage bis zum Beginn des alljährlichen Fests und jeden Tag
sind neue Gesichter zu sehen, weitere Helferinnen und Helfer erscheinen. Die Bewohner der
örtlichen Dörfer haben die Aufgabe inne, das Kloster für die viertägige Veranstaltung zu
schmücken, um eine festliche Stimmung aufkommen zu lassen. Während Morgentau und
Wolkendecken die Umgebung verschlucken und von der Außenwelt isolieren, werden Lanzen mit
Fahnen in buddhistischen Symbolfarben in die Erde gestemmt, ein Willkommenstor wird aus
Holzlatten aufgebaut und mit grüner Farbe bestrichen, Kränze werden auf Baumzweige gehangen.
Das Klosterinnere mit seinem Schrein wird gesäubert und mit Matratzen versehen, um den vielen
anreisenden Pilgern und Mönchen mehr Komfort zu bieten. Wir als Ausländer fragen uns in all
diesem Getummel, was das eigentlich ist – eine Pudja? Eine traditionelle, religiöse Versammlung
von tausenden Mönchen und Gläubigen, die – in Trance versetzt und im Schneidersitz sitzend –
uralte Gebetslieder schanten? Auch, beantwortet Lama Jampa, der gegen Abend endlich am Kloster
angekommen ist und sich zu uns ans Lagerfeuer setzt. Bei der Pudja geht es selbstverständlich auch arum, die religiöse Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft zu pflegen und gemeinschaftliche
Gebetszeremonien durchzuführen.

Es kommen Mönche, weitere Lamas, Pilger, aber auch Politiker und weltliche Prominente. Wir erfahren jedoch, dass ein weiterer essentieller Bestandteil der Pudja die Möglichkeit auf Brautschau ist. Ein groß angelegter Heiratsmarkt, bei der man eine Frau kennenlernen-, um sie bei einem Tanz hofieren- und letzten Endes und im besten Fall später mit nach Hause ins eigene Dorf mitnehmen kann, um eine Familie zu gründen. Eine riesige Singleparty also, scherzen wir Europäer. Wenn man allerdings darüber nachdenkt, macht es in dieser Gegend ziemlich großen Sinn. Im gesamten Gebirge Himalayas gibt es nur einzelne, kleinere Ortschaften, wo jeder Nachbar den anderen kennt und eine Verheiratung innerhalb dieser Kommune wahrscheinlich unangebracht oder von geringem Interesse wäre. Darüberhinaus gibt es nur schlechte bis gar keine Internetverbindung, was Online Dating von vornherein ausschließt, die Distanz zu umliegenden Ortschaften ist enorm, von daher – feiert man jedes Jahr in jedem Kloster zeitlich versetzt eine Pudja. So haben die Einheimischen durchgehend die Möglichkeit, herumzukommen und sich wirklich die passende Partnerin bzw. den passenden Partner im Rahmen dieser Zeremonie auszusuchen.

Native Power Himalaya Pudja

Parallel zu den festlichen Vorbereitungen produzieren die Entwicklungshelfer tagsüber eine
Solarthermieanlage und weitere Ofensysteme. Durch einen Schlauch wird kaltes Wasser in ein
Schlauchspiralsystem geführt, das in einer Rahmenkonstruktion aus Holz befestigt ist. An der
Hinterseite sind Wellblechplatten angebracht, die das Sonnenlicht bündeln und Wärme speichern.
Folglich erwärmt sich das Wasser im Inneren des Schlauchs auf warme bis heiße Temperaturen. Auf
der anderen Seite tritt der Schlauch mit erhitztem Wasser wieder aus und kann beliebig für die
Warmwasserzufuhr oder in einen Wärmespeicher befördert werden – einfach und effizient. Die
Bewohner sind über die simplen Methoden und deren Wirkung erstaunt, die hier eingesetzt werden.
Die neuen Öfen werden den Kindern vorgestellt – man vermittelt ihnen Wissen über Funktion und
Nutzung des neuen Systems, das nach einer Pyrolysetechnik funktioniert. Das Feuer nährt sich von
oben und vergast das Holz in Richtung Boden. Somit hat man rauchfreies Feuer, sofern das System
verstanden wird. Das Thema Biomeiler bleibt hingegen weiterhin unser Problemkind – inzwischen
werden Grünschnitt und Reißig zumindest nicht weiter verbrannt. Eine Sammelstelle hat sich am
gewünschten Standort für den Biomeiler gebildet. Ob die benötigte Menge an Substrat jedoch in
dieser kurzen Zeit produziert werden kann, bleibt zweifelhaft.
 

Tag 9

Das Projekt Biomeiler scheitert tatsächlich. Die Menge an Substrat, die für einen ausgewachsenen
Biomeiler benötigt wird, ist in dieser kurzen Zeit nicht mehr aufzutreiben. Die Kommunikation an
die tibetische Bevölkerung ist nicht auf vernünftige Weise erfolgt und es wurde sich nicht an die
Absprache gehalten, Biomasse zu bewahren und bis zu unserer Ankunft zu lagern. Das von uns
benötigte Material wurde verbrannt, der eigentliche Ursprungsgrund für die gesamte Aktion, hierher
zu kommen. Vor lauter verfügbaren Bäumen sehen die Menschen nicht den Untergang ihres Waldes,
den Bruch ihrer Symbiose mit der Umwelt, der durch die permanente Verbrennung von Holz und
Biomasse konsequenterweise eintreten wird. Enttäuschung ist auf den Gesichtern der
Entwicklungshelfer zu lesen. Das Team Native Power diskutiert erneut, woran man gescheitert ist,
was man dennoch tun kann, um den Menschen zu helfen. Denn inzwischen spüren auch wir die
beißende Kälte des näherrückenden Winters.

Wir blicken auf den Hang oberhalb des Klosters und sehen das große Zelt, indem die Kinder und
Novizen gemeinsam übernachten. Einige Holzbalken, vier Holzbohlen, die das Zelt stabil halten,
eine dünne Plane und fertig... . Was werden sie tun, wenn der Schnee fällt? Wie können wir ihnen
helfen ohne einen Biomeiler, der Warmwasser und Wärme erzeugt? Es wird sehr kalt werden und
diese Form von beißender Kälte erfahren in unserem Land zumeist nur Obdachlose, die im Winter
auf den Straßen übernachten. Dies hier sind aber keine gescheiterten Existenzen – wir sprechen hier
von unschuldigen Kindern. Es wird darüber nachgedacht, einen provisorischen Miniatur-Biomeiler
zu erzeugen, aus dem die Klosterbewohner zumindest für die härteste Schneezeit warmes Wasser
gewinnen können, aber auch dies scheint ein schwer zu erreichendes Unterfangen zu sein. Es wurde schlichtweg alles verbrannt. Wenn man sich morgens warm wäscht, ist der Körper vorgewärmt und Kälte besser zu ertragen. Also was tun? Die Solarthermieanlage steht und ist bereits jetzt in der Lage warmes Wasser zu generieren, aber auch nur dann wenn tagsüber genügend Sonnenlicht ankommt. Die Holzvergaseröfen sind fertiggestellt und bereits im Gebrauch der Einheimischen – Kochen ohne Rauchentwicklung. Es bedarf jedoch noch ein wenig praktischer Erfahrung bis das volle Potential der Öfen genutzt werden kann. Um sicherzustellen, dass die richtige Vorgehensweise für die Pyrolyse angewendet wird, wurde sicherheitshalber ein technisch versierter Tibeter im Umgang mit der Materie ausgebildet.

Hier ist ein kurzes Informationsvideo, wie wir den Tibetischen Entwicklungshelfern eine Einführung in die Technik der Micro-Holzvergaseröfen geben.

Ein Bereich des Klostergeländes wird im Augenblick von unserem Permakulturdesigner bearbeitet.
Er plant einen längerfristigen Aufenthalt für ein größeres Projekt im Sommer, um systematisch
Verbesserung zu erzielen. Lama Jampa bietet ihm hierfür eine Bleibe, die Unterstützung der lokalen
Bevölkerung und die Freiheit, das Land nach eigener Auffassung vielfältig zu perma-kultivieren –
eine große Herausforderung für den Fünfundzwanzigjährigen.

Native Power PermakulturDas Team Native Power und auch wir Visionäre erkennen, dass kurzfristige Entwicklungshilfe und
das Überlassen neuer technischer Errungenschaften für eine permanente Verbesserung der
Lebensbedingungen nicht ausreichen werden. Die Bildung und Weitergabe von Wissen und ein
laufendes Projekt, das mittelfristig begleitet

werden muss, sind der einzige Schlüssel zum Erfolg.
Somit bewegt sich unser Ziel ebenfalls weiter. Die geplante Schule – in dieser Einrichtung könnten
zum normalen Unterricht Spezialisten ausgebildet werden, die das erlangte Wissen weitertragenund
erhalten können. Wir diskutieren darüber, einen Verein zu gründen und Spendenaufrufe zu
starten, um das Projekt so ausführen zu können, wie es die Lage erfordert. Dennoch bestehen
diesbezüglich Zweifel, schließlich wird dies keine Aktion sein, bei der sich Prominente und
Nachahmer einen Eimer Wasser über den Kopf schütten. Somit würde kein größerer Fun- bzw.
Trendfaktor bestehen.

Alleine für die Finanzierung des ersten Projekts haben exakt Null Personen
Geld gespendet. Die Kosten für unseren Aufenthalt, die gesamte Reise, die Materialkosten und die
Produktion des Dokumentarfilmes trägt Native Power im Alleingang. Nichtsdestotrotz hat uns das
Schicksal hierher geführt, mitten in das Himalaya Gebirge. Wir sehen die Gesichter der Kinder, die
einem genauso direkt in die Augen blicken, wie es Kinder überall auf der Welt tun. Was sollen wir
ihnen sagen? Selbst schuld, Eure Mitbürger haben unseren Anweisungen keine Folge geleistet?
Aufgeben fühlt sich falsch an. Nach allem was wir versucht und doch geleistet haben erst recht.

Native Power on Himalayatour KinderWir sehen uns in einer Situation, dieses Projekt auf jegliche erdenkliche Weise fortzusetzen, was eine weitere Rückkehr mit sich bringen wird und Folgeaktivitäten beansprucht. Aus dem Geyje Norling Klostergelände könnte im gemeinschaftlichen Einvernehmen und in Zusammenarbeit mit Lama Jampa und den Mönchen eine Mustersiedlung entstehen, wo der bewußte Umgang mit natürlichen Ressourcen und die Nutzung von elementaren Hilfsmitteln zur Verbesserung der Lebenssituation für alle sichtbar werden soll, damit die in dieser Region lebenden Menschen von diesem Wissen profitieren können. Nur dafür bedarf es Zeit und die gesamte Kooperation und Motivation der lokalen Bevölkerung. Zeit und das Mitgefühl der westlichen Welt, die hier mit für aus ihrer Sicht tragbaren Spendenbeträgen einiges bewirken kann. Doch warum sollten wir das tun? Vielleicht weil wir hier noch eine Chance sehen. Weil hier die Harmonie zwischen Umwelt und Mensch noch nicht völlig zunichte gemacht worden ist und Zeit für Prävention gegeben ist. Weil es die Sache wert ist und wir Menschen sind. Weil Kinder im Spiel sind. Weil es möglich ist... .
Vielleicht aber auch nur, weil wir Angst davor haben, zu versagen.
 

Tag 11, 12 und 13

Warten auf den Klempner. Seit drei Tagen soll die Solarthermieanlage in Betrieb genommen
werden, allerdings bedarf es hierfür noch eines Gewindeschneiders, der für die Umleitung der
Wasserzufuhr benötigt wird. Werkzeuge gehören in der Bergregion zur Mangelware. Die Arbeiten
des Native Power Team nehmen ihren Lauf, die Vorbereitungen der Pudja sind beinahe vollendet.
Immer mehr Dorfbewohner und auch Besucher aus Bhutan sind inzwischen auf dem Klostergelände
eingetroffen. Mehrere Zeltbehausungen sind in den letzten Tagen wie Pilze aus dem Boden
gewachsen, kleine provisorische Supermärkte, ein einladendes Restaurantzelt und mehrere
Übernachtungscamps der Pilger und Besucher sind aufgeschlagen worden.

Native Power Kloster Pudja

 
Ein Lichtschimmer zum Thema Entwicklungshilfe – ein lokaler Umweltschützer aus Tawang hat
über den örtlichen Internetanbieter von unserer jüngsten Tätigkeit erfahren und besucht uns in den
kommenden Tagen vor Ort, um möglicherweise als lokaler Mitarbeiter für die zukünftige Betreuung
des Entwicklungsprojekts und der Mustersiedlung einzusteigen. Unsere Tätigkeit zur Verbesserung
der hiesigen Lebensbedingungen ruft breitflächig positive Resonanz hervor. Wir werden von den
Menschen als freundliche Exoten angesehen, überall erfahren wir gleichermaßen Respekt und
Sympathie für unsere Ambitionen. Da das Projekt Biomeiler zumindest für unseren ersten
Aufenthalt gescheitert ist, sind andere Alternativen zur Wärmeerzeugung in die Wege geleitet
worden. Eine Urkraft, die die Bergregion mit Sicherheit in reichlicher Fülle besitzt, ist Wasser. Es
wird über die Erzeugung eines Stromgenerators durch Wasserenergie gesprochen. Dieser soll die
Funktion inne haben, ein Infrarotheizsystem mit Energie zu versorgen. Die Leitungen könnten in
Matratzen, an der Wand oder als Bodenheizung eingesetzt werden. Zur weiteren Sicherheit und
Unterstützung möchte man zudem ein großes Batteriepack einsetzen, welches bei Bedarf zum
bestehenden Stromsystem als Unterstützung zugeschaltet werden kann und eine enorme
Lebensdauer besitzt.

Native Power Solaranlage

Ein Bildungszentrum mit sowohl Seminar- als auch Schlafräumen für die zu
erwartenden Entwicklungshelfer ist darüberhinaus ebenfalls in Planung. Das Projekt nimmt in der
Theorie folglich Form an, der Wille ist vorhanden. Die praktische Ausführung liegt lediglich an der
Finanzierung, die durch die Verbreitung des Projekts und des entstehenden Dokumentarfilms in
Europa angekurbelt werden soll. Unsere Gruppe ist inzwischen geistig angekommen und nimmt die
örtlichen Gegebenheiten entspannter an als zu Beginn des Aufenthaltes. Während die Techniker
ihren Arbeiten weiterhin nachkommen, nehmen sich die anderen etwas Zeit für die Kinder des
Klostergeländes. Ein Fußballspiel wird organisiert, es kommen weitere Mönche und Tibeter hinzu.
Unser Spiel lockt mehrere neugierige Zuschauer an, man genießt die gemeinschaftliche
Atmosphäre.

Bei einem gemeinschaftlichen Abendessen wird uns "Yarma" zu den Hauptgerichten
hinzugestellt. Ein einheimisches getrocknetes Gewürz, das aus eine Pflanze gewonnen wird und ein extremes Geschmackserlebnis bietet. Das zitronig säuerlich wirkende Gewürz löst ein
langanhaltendes kribbelndes Gefühl auf der Zunge aus. Doch hier ist Vorsicht zu walten – der
Genuß von einem der Samenkörner wirkt interessant, mehr als drei auf einmal kann jedoch eine plötzlich eintretende Atemnot auslösen. Wir bereiten uns auf die Pudja vor und verbringen die Zeit damit, von all den vielen Eindrücken genügend Material zu drehen.

Die Drohne löste auf der Pudja einen Massenauflauf aus, die Kleinen hatten so etwas noch nie gesehen und rannten zum Ort de geschehens. Can konnte die Drohne fast nicht mehr landen weil der GPS so eingestellt war das diese am gleichen Platz landet, an der sie gestartet war. Der Platz war aber nun mit erstaunten Kindern gefüllt die die Landung schwierig gestalten.

Doch es hat alles geklappt die Drohne ist sicher gelandet und niemand ist verletzt worden.

Weitere spannende Reiseberichte folgen !

Native Power Reise Himalaya 2014

Projekt: So hat es begonnen.

Hilfe zur Selbsthilfe. Für Menschen im Himalaya!

Die Gesundheit nachhaltig verbessern, den Raubbau an Holz verhindern, Energie besser nutzen und gezielt den Bodenaufbau zu betreiben ist das Ziel.
Das wird alles mit lokalen Materialien und Arbeitskräften erreicht und die "Hilfe zur Selbsthilfe" ist sicher gestellt.

Das tibetisch buddhistische Kloster Geyje Norling, auf einer Höhe von 1500 m gelegen im indischen Himalaya, ist nicht nur für religiöse Arbeit zuständig, sondern unterstützt aktiv die Dorfbewohner der gesamten Region, mit mobiler ärztlicher Versorgung, Schule und Krankenhaus.
 

  • Offene Feuer verursachen schwere Lungenschäden bei Frauen und Kindern. Hinzu kommen Rheuma, Gicht und Unterleibserkrankungen, verursacht durch lange Meditationen auf kalten Steinböden.
  •  
  • Die von Native Power in den 5 Workshops weitergegebenen Methoden bringen sowohl Wärme als auch Kompost zum nachhaltigen Bodenaufbau in die Region.
  •  
  • Das Projekt findet im Vorfeld einer großen religiösen Veranstaltung im November statt. Es werden über 3000 Teilnehmer erwartet. Zu diesem Anlass soll die Methoden der Öffentlichkeit und der Regionalverwaltung vorgestellt werden.
  •  
  • Die 5 Methoden sind leicht erlernbar:
  • Der Biomeiler liefert bis zu 70 Grad Wärme, wenn er mit Hühnermist und holzigem Grünschnitt aufgesetzt wird. Die Wärme ist für Trinkwasser und Fußbodenheizung. 
  •  
  • Die kleine Biogasanlage wird für einen Stromerzeuger Gas produzieren, der zuverlässig Licht liefert.
  • Der Holzgasofen verbraucht nur 1kg Holz im Gegensatz zu 5kg Holz bei offenem Feuer und hat kaum Rauch.
  •  
  • Die Kochkiste ist gut wärmegedämmt und lässt kurz angekochte Speisen in wenigen Stunden fertiggaren.
  •  
  • Die Komposttee-Aufbereitung verlängert den hochwertigen Kompost aus dem Biomeiler und der Biogasanlage und kann so große Flächen düngen.
  •  
  • Der Workshop zum Aufbau des Biomeilers ist in 2 Tagen realisiert. Nach 5 Tagen gibt es  warmes Wasser. Die Biogasanlage ist in 2 Tagen erstellt,  nach 20 Tagen steht Gas zur Verfügung. Der Holzgasofen ist bereits an einem Tag gebaut und einsatzbereit.
  •  
  • Die Kochkiste ist leicht herzustellen und innerhalb eines Tages zu benutzen. Das Team ist in der Lage in der kurzen Zeit die Methoden zur Energiegewinnung und Einsparung, sowie der Bodenkultivierung weiter zu geben.
  •  
  • Das Projekt wird gezielt von einem Profi-Filmteam begleitet, um die Vorgehensweise und Resultate festzuhalten. Ohne das Filmteam ist eine nachhaltige Weitergabe der Methoden an andere Dörfer nicht sichergestellt.
  •  
  • Projekte ohne Film sind nur von lokaler Bedeutung, wir geben CDs weiter so ist für eine anschauliche Verbreitung gesorgt.

Für die Gebrauchsanweisungen suchen wir noch einen Zeichner.

Spenden bitte hier einreichen.

Videos:

http://www.youtube.com/watch?v=YeoKhGLN2tA
WWW Kloster: http://www.geyjenorling.com/history.php

 

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